Herz und Verstand
Hinterlasse einen Kommentar

Die Entzauberung der Kindheit

Als Kind ist die Welt noch perfekt. Es wird gelobt, wenn man etwas gut gemacht hat. Die Eltern sind Gott und haben immer recht, egal was sie machen. Alle Erwachsenen haben den Dreh raus und wissen wie der Hase läuft.

Man kann (fast) rund um die Uhr spielen, kreativ sein, faulenzen, sich treiben lassen. Alles was man zum Leben braucht, wird einem von anderen gebracht und für den Rest sorgen das Christkind, Ostern und Geburtstage.

Wann hat das aufgehört?

Ich weiß nicht genau wann es das erste Mal passierte, aber eines Tages, als ich älter wurde, wurde mir klar, dass man nicht für alles Gute einen Tätschler auf die Schultern bekommt.

Es wird oft nicht einmal bemerkt. Über diesen Schock half mir damals mein guter Freund John Lennon hinweg, der sagte:

„When you do something noble and beautiful and nobody noticed, do not be sad. For the sun every morning is a beautiful spectacle and yet most of the audience still sleeps.“

Also trieb ich weiter in Richtung Erwachsenenzeitalter, während meine glorreichen Ideen der Zukunft leise vor sich hin bröckelten.  Von ernsten Geschehnissen blieb ich in meiner Kindheit weitgehend verschont.

Schlimme Dinge wurden mir nicht erzählt und als ich schließlich selber erwachsen wurde, bemerkte ich, dass doch nicht alles eitel Wonne und Sonnenschein ist.  Immer wieder gab es Momente, die mich zweifeln ließen, ob ich denn überhaupt erwachsen sein will.

Ich meine diesen einen Moment, in dem einem bewusst wird, dass die eigenen Eltern nicht Gott sind. Dass sie Menschen sind, mitsamt Fehlern und schlechten Angewohnheiten. Dass sie die Frechheit besaßen, ein Leben vor den Kindern geführt zu haben, von dem man nicht viel weiß. Dass sie außer Eltern auch noch ein Paar sind, Liebende, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Dass nicht alle  Entscheidungen gut waren oder sind, die sie treffen und das sie nicht alles wissen.

Den Moment, in dem man bemerkt, das Erwachsene nicht automatisch den Dreh raus haben und dass sich ihre Leben auch nicht immer so entwickeln, wie sie es sich als Kinder ausgemalt haben. Manche stürzen ab und zwar gewaltig, manche klettern ganz nach oben. Manche haben alles, manche verlieren es wieder. Manche sterben früh, manche spät.

Der Moment, in dem man bemerkt, das man nicht immer alles unter Kontrolle haben kann. Dass gewisse Dinge von anderen komplett über den Haufen geworfen werden können. Dass überhaupt andere Personen Dinge auslösen können, die so weitreichende Auswirkungen haben, dass sie ihre Fühler bis in unser Leben ausstrecken und alles stören oder zerstören können.

Der Moment, in dem einem die Zügel entgleiten und man nur hilflos zuschaut, wie alles unkontrolliert ausbricht und umherirrt. Man kann nur warten, bis es von selber wieder besser wird, bevor man einschreiten kann.

Der Moment, in dem man bemerkt, dass man nicht allen helfen kann und dass der gute Wille alleine nicht viel ausrichtet. Dass die Leute selber für ihr Leben verantwortlich sind, man Sie nicht zu Besserem zwingen kann, auch wenn man das unbedingt möchte. Man mitansehen muss, wie sie sich selbst ruinieren und nichts dagegen ausrichten kann, weil sie es nicht wollen.

Ich habe mein romantisches Bild vom Großsein verloren

Meine Vorstellungen haben sich gänzlich geändert und irgendwie macht mich das traurig. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt.

 

xo

Angie

PS: wie ich es geschafft habe, mich in der Welt der Erwachsenen zurechtzufinden erfahrt ihr hier Wie erwachsen kann man eigentlich sein?

Kommentar verfassen