Herz und Verstand
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Warum du dich nicht immer entschuldigen solltest

Ich schätze mal, kaum jemand auf der ganzen Welt hat sich für so viel entschuldigt wie ich. Am liebsten hätte ich mich dafür entschuldigt, überhaupt auf der Welt zu sein. „Entschuldigen Sie bitte, dass ich lebe. Es war ja keine Absicht von mir…“.

Besaß ich die Frechheit, in einem Geschäft die eigens dafür angestellte Verkäuferin um Rat zu bitten, entschuldigte ich mich vorher 10x, bevor ich überhaupt meine Frage an sie stellte. Wollte ich an der Theke ein Brot kaufen hörte man „Ach, Verzeihung bitte, aber ich hätte gerne dieses Brot bitte, wenn es keine Umstände macht bitte.“

Sonst noch jemand?

Dieser Umstand war meinen negativen Gedanken geschuldet. Ich war ein Störfall, eine Belastung bzw. Belästigung, unangenehm wie ein Pfeifen im Ohr, das nicht weggeht. Dachte ich zumindest. Bis ich begann an meinem Selbstgefühl zu arbeiten.

Entschuldige dich nur, wenn es wirklich wichtig ist

Als ich begann an mir selbst zu arbeiten, schwor ich mir, mich nicht mehr für alles und jedes tausendmal zu entschuldigen. Die Verkäuferin wird dafür bezahlt, mir zu helfen und der Bäcker will sein Brot verkaufen.

Belegt jemand seit 10 Minuten ein Gerät im Fitnessstudio, weil der oder diejenige meint es lässt sich so bequemer tratschen, muss ich mich nicht entschuldigen, wenn ich ihm sage, er soll in der Chillecke weiterquatschen.

Rutscht mir jemand ins Auto, hat sich derjenige zu entschuldigen, nicht ich, weil ich es gewagt habe auf dem ausgewiesenen Parkplatz zu parken. Kann ich jemanden mal nicht helfen, reicht ein einziges „tut mir leid“, es müssen nicht 10 sein. Komme ich zu spät reicht ein „entschuldige bitte“.

Baue ich dagegen gewaltige Scheiße oder habe ich jemanden beleidigt oder Probleme bereitet, ist eine richtige Entschuldigung fällig. Und genau dies gilt es zu unterscheiden.

Vertraue deinem Urteil

Vertraue darauf, das du im Recht bist. Deine Empfindungen sind in Ordnung, dein Gerechtigkeitssinn funktioniert. Du hast die gleichen Rechte, wie alle anderen und vor allem das Recht, sie einzufordern.

Entschuldige dich niemals – und damit meine ich NIEMALS! – für dich selbst. Du isst, was du essen willst. Dir gefällt, was dir gefällt. Du glaubst, was du glaubst. Du siehst aus, wie du aussiehst. Steh dazu.

Zu oft habe ich gesagt: „Nein Danke, es tut mir leid, aber das esse/mag/glaube/tue/will/usw. ich nicht. Entschuldige bitte, wenn ich ihnen/dir deswegen Umstände bereite, aber …. (lange und ausführliche Erklärung einfügen) …, sorry“. So geht das nicht.

Ich habe mir angewöhnt einfach, kurz und klar zu antworten: „Nein Danke, aber ich mag das nicht.“ Aus. Einfach so, ohne tut mir leid. Fertig. Will jemand wissen wieso, dann erkläre ich es gerne. Aber ich entschuldige mich niemals – und damit meine ich NIEMALS! – für meine Werte, meine Meinung, mein Wissen oder sonst irgendetwas persönliches.

„Du bist klüger als du denkst“ – Christopher Robin zu Winnie Puh

Soll ich euch etwas verraten? Es gab Zeiten, da stellte ich mich dümmer als ich war, um ja nicht aufzufallen. Ich sprach Fremdwörter oder Sprachen absichtlich falsch aus, gab vor etwas bestimmtes nicht zu kennen, hielt mich aus Diskussionen raus.

Aus Angst davor, nicht dazu zu gehören. Als komisch zu gelten. Die komische Alte, die lieber Ö1 hört als Ö3. Die lieber Gedichte liest als „Bauer sucht Frau“ anzuschauen. Die Bücher lieber mag, als die InStyle. Die „Fifty Shades of Grey“ dämlich findet. Und kam jemand dahinter, entschuldigte ich mich dafür!!!

Heute frage ich mich ernsthaft: wie blöd konnte ich eigentlich sein. Aber den Mut dazu zu stehen, habe ich erst im letzten Jahr gefunden. Seitdem habe ich mich niemals wieder für eine meiner Vorlieben oder Hobbies (oder sonst irgendwas, was mich ausmacht) entschuldigt. Dafür war viel Arbeit nötig.

Mir hat unter anderem folgendes geholfen:

  • die richtigen Vorbilder suchen, zum Beispiel bin ich ein Fan von Madhavi Guemoes, sie steht dazu, wie sie ist, obwohl sie nicht dem Mainstream entspricht.
  • Yoga und Medition. Die Vorteile von Yoga und Meditation kann man nicht oft genug anpreisen. Aber man muss es ernsthaft einige Tage lang probieren, dann kommen die Fortschritte und Erkenntnisse ganz von allein.
  • Bildung. Dazu kann ich nur wiederholen, was mein guter Freund, Johann Wolfgang von Goethe, gesagt hat:

„Man sollte alle Tage wenigstens ein kleines Lied hören, ein gutes Gedicht lesen, ein treffliches Gemälde sehen und, wenn es möglich zu machen wäre, einige vernünftige Worte sprechen.“

  • Sport!
  • Dankbarkeit!
  • Tagebuch führen. Ich schreibe alle meine Gedanken in mein Bullet Journal. Ich habe begonnen alles zu hinterfragen. Ich ändere bewusst meine Gedanken. Ich setze mir Ziele. Arbeite mit Affirmationen und Mantren.
  • Ich habe die Art, wie ich mit mir selber spreche, geändert. Siehe auch: „Wie redest du eigentlich mit mir“
  • Ich habe Kitsch und Klatsch aus meinem Leben verbannt.
  • Ich vergleiche mich nicht mehr mit anderen. Jedenfalls fast nicht mehr.
  • Und der wichtigste Tipp von allen: Ich tue es einfach! Ich tue einfach die Dinge, für die ich mich früher schämte. Sage, lese, esse, glaube sie. Und mit jeder Sekunde, die ich offen damit vor allen anderen stehe, werde ich stärker, ist es mir mehr egal. Ich habe zudem erkannt: so wichtig, wie ich dachte, sind diese Dinge für andere gar nicht. Menschen habe wichtigeres zu tun, als sich den ganzen Tag  darüber Gedanken zu machen, was ich esse, wie ich mich schminke, usw. So wichtig bin ich nicht. Und wenn sie kurz die Nase über mich rümpfen, ist es mir inzwischen egal. Wenn es sonst keine Aufregung in deren Leben gibt, vergönne ich ihnen diese paar Minuten Freude.

Probiert es aus. Und wenn es nur ein Punkt ist, mit dem ihr beginnt. Jeder Schritt in die richtige Richtung zählt.

xo

Angie

 

 

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