Mehr Selbst
Hinterlasse einen Kommentar

Wie du herausfindest wer du wirklich bist

Kennst du dich selbst? Weißt du, wer du wirklich bist oder kennst du nur deine Maske nach außen? Hast du vergessen wie es in deinem Inneren aussieht, weil du schon zu lange eine bestimmte Rolle spielst?

Wer bin ich überhaupt?

Genau das ist das Problem. Viele Menschen kennen sich selber nicht. Sie kennen nur das Bild von sich selbst, dass sie gestalten, um ihrem Umfeld zu entsprechen. Um sich selbst und ihren Vorstellungen gerecht zu werden.

Die wenigsten wissen wer und wie sie wirklich sind. Wenn man sich ernsthaft verändern will, muss man aber wissen wo man steht und wo man beginnen soll.

Klar, meine gute Freundin Pema Chödrön sagt:

„Do start where you are“

Aber wo genau ist das?

Um mich selber besser kennen zu lernen hat mir folgende Übung geholfen:

In einer ruhigen, ungestörten Stunde in klarer Umgebung, ohne Ablenkungen, habe ich mich mit meinem Journal hingesetzt und folgende Spalten oder Listen (oder was auch immer euch zusagt) aufgesetzt:

  • Was mag ich? Was mag ich nicht?
  • Wie bin ich? Wie bin ich nicht?
  • Was kann ich gut? Was kann ich nicht gut?
  • Was sagen andere über mich?  Möchte ich so wahrgenommen werden?
  • Wie möchte ich gerne sein und wie erreiche ich das?
  • Wie möchte ich nicht sein und wie erreiche ich das?

Nun habe ich in jeder Spalte eingetragen, was mir eingefallen ist. Das braucht durchaus Zeit, schludert nicht. Ich gebe euch einige Beispiele von meinen Listen, damit ihr wisst wie die Spalten zu füllen sind. Am Ende der Übung befinden sich natürlich noch viel mehr Informationen über euch darin. Es ist nur ein Auszug.

Was mag ich?

Katzen, Nougat, Gelb, Blau, Nudelsuppe, Nudeln, Decken und Polster, Duftöle, Weihnachten, Halloween, Bücher, einen eingeheizten Kaminofen, frisch gefallenen Schnee, usw.

Was mag ich nicht?

Artischocken, Spinnen, Lila, Marzipan, Bierzelte, laute Musik, große Menschenmassen, Stress, unruhige Menschen, lügen, Tratsch, usw.

Wie bin ich?

Freundlich, höflich, nett, hilfsbereit, ein guter Zuhörer, begeisterungsfähig,  lerne gerne Neues, brauche viel Ruhe und Zeit für mich und mit mir selbst, meine Gefühle sieht man mir meistens sofort an und ich kann andere gut motivieren, usw.

Wie bin ich nicht?

Geduldig, ruhig, gelassen, kritikfähig, aggressiv, kritisch, kann keinen Smalltalk, ein guter Zuhörer, usw.

Was kann ich gut?

Stricken, superschnell und trotzdem sinnerfassend lesen, 130 KG in der Beinpresse drücken, gut kochen, dekorieren, usw.

Was kann ich nicht gut?

Kopfrechnen, Ausfallschritte machen, im Winter auf Schnee mit dem Auto eine Bergstraße hochfahren, Skifahren, Knödel kochen, usw.

Was sagen andere über mich?

Am Besten wäre es natürlich, man würde seine Freunde und seine Familie ganz konkret danach fragen. Es geht auch eine Email die man ihnen schickt und welche sie, ausgefüllt, retournieren. Ich gebe aber ganz offen zu: dazu war ich zu feige. Ich hielt mich an Dinge, die mir ins Gesicht gesagt oder von Freunden zugetragen wurde.

Dabei kam heraus das ich sehr freundlich und hilfsbereit wirkte, eine gute Gastgeberin und Köchin bin, fleißig und liebevoll bin. Aber auch dass ich keine Kritik vertrage, sofort in die Defensive gehe und manchmal sehr trotzig und frech sein kann. Ohoh!

Ist das wahr? Möchte ich so wahrgenommen werden?

Zum Teil natürlich schon. Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft sind gute Eigenschaften wenn Sie ernst gemeint sind. Aber die Verbesserung meiner Kritikfähigkeit wanderte sofort auf die „Wie ich sein möchte“ Liste und auch an meinem Trotz muss ich gezielt arbeiten: ich muss lernen auch bei negativen Aussagen oder bei Kritik, an mir oder die ich an anderen übe, höflich und nicht beleidigend zu sein.

Wie möchte ich sein und wie kann ich das erreichen?

In diese Spalte kam nun all das, was ich mir für meine Reise vorgenommen hatte. Schlanker, sportlicher, ehrlicher, klar Ja oder Nein sagen, zu mir selber stehen, gebildet, integer, hilfsbereit (nur wenn es meine Zeit, Geduld und Energie leicht erlauben), ein guter Zuhörer, belesen, mutig, vegan, ein guter Freund, …

Wie möchte ich nicht sein und wie kann ich das erreichen?

Ich möchte keine Klatschtante sein, faul, demotiviert oder demotivierend, ungebildet, neidisch… Die Klassiker eben.

Ans eingemachte

So weit so gut. Nun kommt der schwierige Teil. Alle Punkte die man sich notiert hat müssen nun mit der größtmöglichen, brutalsten Ehrlichkeit nochmal überdacht und neu bewertet werden.

Wenn man sich genau überlegt und bewusst macht, wie man manche Dinge im Leben angeht, bemerkt man, das man sie eigentlich gar nicht will oder immer schon falsch gemacht hat oder sie gar nicht den eigenen Bedürfnissen entsprechen.

Ich dachte immer, ich wäre ein guter Zuhörer und schrieb dies brav in meine „Wie bin ich“ Spalte. Aber dann hielt ich mich an meinen eigenen Rat, war ehrlich zu mir selber und erkannte:

Ich bin kein guter Zuhörer.

Ich höre zwar zu, unterbreche aber sehr gerne den Sprechenden und vergesse auch ziemlich schnell wieder, was mir erzählt wurde. Somit wurde dieser Punkt wieder von der „Wie bin ich“ – Liste gestrichen. Dafür setzte ich ihn auf die „Wie bin ich nicht“ – Liste und auch auf die „Wie möchte ich sein“ – Liste.

Genauso erging es mir bei einigen anderen Punkten. Unter dem Punkt „hilfsbereit“ wurde mir bewusst, das ich zwar hilfsbereit war, dies aber auf Kosten meiner Energie ging. Ich war für jeden immer da, verschob eigene Termine und verprasste meine kostbare Energie um anderen ihr Leben leichter zu machen.

Aber eigentlich wollte ich das nicht. Besonders da es mir schon oft passiert war, dass die Leute, für die ich immer da war, für mich nicht da waren, wenn ich sie brauchte. Also wurde der Punkt „hilfsbereit“ mit einer Bedingung auf die „Wie möchte ich sein“ – Liste verschoben: nur wenn es meine Energie, Zeit und Geduld leicht erlauben.

Diese Übung war so überraschend für mich. Es kam ein ganz anderer Mensch zu Tage, als der ich dachte, der ich war. Ich bemerkte die Hüllen die ich mir angelegt hatte um mir, meiner Familie, der ganzen Welt, zu gefallen. Diese Hüllen wirkten so gut, dass ich selbst vergessen hatte, wer sich eigentlich wirkllich darunter befand.

Die Aufgabe ist nun, diese Hüllen nacheinander abzulegen um mein wahres Ich zu befreien. Einiges habe ich schon geschafft, einiges wird noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Aber ich nehme die Herausforderung gerne an. Der Weg ist ja bekanntlich das Ziel.

xo

Angie

 

 

 

 

Kommentar verfassen