Herz und Verstand
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So lernst du Nein zu sagen

Vielen von uns fällt kein Wort so schwer wie ein Nein. Gerade Frauen werden immer noch gerne dazu erzogen, die liebevollen und fürsorglichen Attribute zu fördern. Zu helfen, für die Familie da zu sein, zu pflegen, zu unterstützen.

Natürlicherweise fällt es daher gerade Frauen am schwersten Nein zu sagen. Männer scheinen da weniger Hemmungen zu haben, vor allem da deren Erziehung meistens mehr auf Selbstständigkeit fußt.

Sie werden ermuntert etwas auszuprobieren und vor allem: sie werden für eine eigene Meinung nicht so schnell gemaßregelt wie Mädchen.

Mir fiel es mein ganzes Leben lang äußerst schwer „Nein“ zu sagen. Ein „Nein“ verursachte körperliches Unwohlsein (wie die Schmetterlinge im Bauch wenn man verliebt ist, nur im negativen Sinn) kombiniert mit schlechtem Gewissen und dem Gefühl, den (im besten Fall) Bittenden bzw. (im schlimmsten Fall) Fordernden im Stich zu lassen.

Der Gedanke, dass der Abgewiesene schlecht über mich denken könnte, ließ mich sofort und zu allem „Ja“ sagen, ohne darüber nachzudenken, ob ich das überhaupt wollte.

Ein Nein zu anderen ist ein Ja zu sich selbst

Inzwischen bin ich klüger geworden und habe die Notbremse gezogen. Geholfen haben mir dabei folgende Erkenntnisse:

  • Nicht jeder muss mich mögen.
  • Ich muss es nicht jedem recht machen.
  • Was andere von mir denken, ist nicht mein Problem.
  • Ist jemand nur deshalb böse auf mich, weil ich einmal eine Bitte abgelehnt habe, ist er wahrhaftig kein guter Freund.
  • Jedes wohlüberlegte Nein ist ein Ja zu mir selbst. Denn es bewahrt mich davor, meine Energiereserven über die Maße zu strapazieren.
  • Je öfter man Nein sagt, umso wertvoller wird ein Ja. „Willst du was gelten, mach die selten“, scheinbar stimmt das wirklich. Ich habe jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass meine Hilfe, die immer und jederzeit verfügbar war, nicht sehr viel wertgeschätzt wurde. Sie wurde einfach als etwas selbstverständliches eingefordert.
  • Viele Hilfsgesuche entstanden nur durch Bequemlichkeit. Und ich bin nicht bereit, Faulheit zu fördern.
  • Besser als permanente Hilfe ist „Hilfe zur Selbsthilfe“. Bevor ich also gewisse Dinge tausendmal für jemand anderen erledigen muss, zeige ich ihm wie es geht (wenn nötig auch ein zweites mal) und er kann sich anschließend selber darum kümmern.

Und wie sage ich jetzt Nein?

  • Bei kleineren Bitten, die schnell erledigt sind, folge ich meinem derzeitigen Bauchgefühl. Sie werden sofort beantwortet: „Das geht gerade nicht. Ich habe keine Zeit, ich will das nicht, usw.“ oder „Ja gerne, das machen wir gleich.“
  • Bei größeren Bitten antworte ich erstmal folgendes: „Das muss ich mir noch überlegen/anschauen. Ist es in Ordnung wenn ich dir später, in 5 Stunden, heute Abend, Morgen, … Bescheid gebe?“
  • Ist die Antwort ein Nein, teile ich sie höflich, aber bestimmt mit. Ohne Rechtfertigung. Und noch nie hat sich jemand mit diesem System unfair behandelt gefühlt oder hatte das Bedürfnis, auf mich böse zu sein.

Ich helfe nach wie vor sehr gerne, es macht mir Freude jemanden zu helfen, wenn er wirklich Hilfe braucht. Genau so gut kann ich aber inzwischen ablehnen, wenn es meine Zeit oder meine Energie nicht erlauben. Sogar ohne schlechtes Gewissen.

Hilfe ist was Gutes, das soll unbedingt auch so bleiben. Aber zwischen Hilfsbereitschaft und ausgenutzt werden, ist nur ein schmaler Grat. Leider sind manche Menschen zu grenzüberschreitend und fordern alles mit Selbstverständlichkeit ein bzw. sind sich manche Menschen ihrer eigenen Grenzen zu wenig bewusst und geben alles.

Fazit:

Steht zu euch selbst, helft wenn es gerade passt, aber zerreißt euch nicht für die Probleme von anderen.

xo

Angie

 

 

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