Jun 19
Vom eigenen Wert

“Liebe Welt, das habe ich doch alles verdammt gerne getan. Dafür brauchst du dich doch nicht zu revanchieren.”

Kennst du das? Ich denke schon. So gut wie jeder/jede von uns hat so etwas schon einmal gesagt. Es ist auch ab und zu nicht verkehrt, mal etwas um der reinen Nächstenliebe willen zu tun. Aber es sollte nicht zum Dauerzustand werden.

Du, deine Zeit und dein geistiges Eigentum haben einen Wert

Wenn dich jemand um einen Gefallen bittet, der für dich Arbeits- oder Zeitintensiv ist, dann hast du auch das Recht etwas dafür zu verlangen. Damit meine ich jetzt nicht unbedingt Geld. Sondern einen fairen Handel: Leistung für Leistung, Ware für Ware, Hilfe für  Hilfe. Einige Beispiele gefällig?

  • Du musst dich nicht bezahlen lassen, wenn du deinem Freund beim Umzug hilfst. Aber du kannst ihn bitten (bzw. wird er es eh von selbst anbieten, sofern er etwas Anstand hat) auch dir bei etwas zu helfen.
  • Wenn du für die Nachbarin den Rasen mähst, darfst du ruhig als Gegenleistung eine Kleinigkeit verlangen. Es muss kein Geld sein. Du kannst dir ja einen Kuchen raushandeln, für deinen nächsten Kaffeeklatsch.
  • Wenn du auf deinem Blog einen Artikel vorstellst, den dir ein Unternehmen gesendet hat, kannst du ruhig für den Artikel eine Rechnung stellen. Schließlich kostet es Zeit ein Produkt zu testen und es dauert ziemlich lange, bis ein Artikel fertig ist.
  • Und wenn du deinen Arbeitskollegen ständig ihre Arbeit abnimmst, verlange von Ihnen im Austausch das gleiche oder verlange, dass sie an Weihnachten für dich Dienst machen. Dir fällt bestimmt etwas ein.
  • Wenn du dauernd die Kinder deiner Freundin betreust, kannst du ruhig einmal verlangen, das deine Kinder bei ihr bleiben dürfen.
  • Wenn du mit deinen Freunden verreist und wiedereinmal der Chauffeur bist, kannst du ruhig darum bitten, die Spritkosten zu teilen. Oder jeder von Ihnen soll dich einmal zum Essen einladen.
  • Hast du für ein Projekt eines Freundes etwas entworfen oder gestaltet, hast du das Recht auf eine Gegenleistung. Vielleicht geht er für dich in den Wald und pflückt dir ein Kilo Eierschwammerl? Oder, oder, oder.

Es gibt unzählige Situationen in denen man seinen eigenen Wert geringschätzt bzw. sein Licht unter den Scheffel stellt. Aber das ist nicht in Ordnung.

Du hast einen Wert und dieser gehört wahrgenommen. Zuallererst von dir selbst!

Ich war viel zu lange Zeit auch der Typ: “Ach, kein Ding! Mach ich doch gerne.” Mein Arbeitskollege wollte nie die Samstagsdienste machen (jeweils 4 Stunden). Er bot mir an, wenn ich sie für ihn mache, bezahlt er mich dafür. Und was tat ich? Ich habe sie gemacht, kostenlos!! Wie dämlich ist das bitte?

Inzwischen bin ich mir meines Wertes und meiner Leistung sehr wohl bewusst. Ja, auch ich mache kostenlose Freundschaftsdienste und zwar gerne. Aber ich weiß inzwischen auch, wofür und von wem ich etwas als Gegenleistung verlange.

Meine Zeit fällt nicht einfach so vom Himmel. Für jeden Handgriff brauche ich jemanden, der mir dafür auf die Kinder aufpasst, wenn ich sie nicht mitnehmen  kann. Und für jede Stunde die ich für jemanden anderen arbeite, arbeite ich nicht für mich selbst, sprich: meine Arbeit bleibt liegen.

Alles was nichts kostet, ist nichts Wert

Du kennst das sicher von kostenlosen Give Aways oder Email-Kursen. Sie scheinen einfach weniger “wert” zu sein, weniger zu bringen, eben weil sie gratis sind. Dinge, die dich nichts gekostet haben behandelst du weniger sorgfältig, als Dinge, für die du bezahlen musstest. Und genau das passiert mit deiner Arbeit.

Ich bin mir sicher, in deinem Leben gibt es auch Situationen, in denen du ein bisschen ausgenutzt wirst. Oder in denen du dich zu billig hergibst. Genau dann ist es völlig in Ordnung zu sagen: “Du, das kostet aber was”!

Übrigens ist dies auch ein Geheimtipp so ziemlich aller erfolgreicher Menschen: Nichts ohne Gegenleistung, auch wenn sie noch so klein ist  bzw. eine Hand wäscht die andere.

Übung

Hier eine Übung für dich, die du in den nächsten vier Wochen machen kannst. Sie wird dich sicher zum nachdenken bringen:

  • Passe einmal bewusst darauf auf, von wem und worum du um etwas gebeten wirst.
  • Bist es immer du, die zuerst gefragt wird?
  • Gehen die Personen vielleicht schon davon aus, das du es sowieso für lau machst?
  • Wieviele Personen bieten dir eine Gegenleistung an?
  • Bei wievielen bist du geneigt, sofort die Gegenleistung auszuschlagen?
  • Wie stehen diese Personen zu dir? Sehen sie zu dir auf, bist du respektiert, geliebt, akzeptiert? Oder bist du nur die Notlösung?
  • Von wievielen dieser Personen kannst du dir sicher sein, dass sie jederzeit für dich das gleiche tun würden (sofern es ihnen möglich ist)?

Diese Übung habe auch ich lange Zeit immer wieder gemacht und ich konnte so einige Nutznießer meiner Hilfsbereitschaft ausmachen. Seit ich Gegenleistungen verlange, wurde ich von denjenigen auch weitaus weniger um Unterstützung gebeten.

Ich vergebe meine kostenlose Hilfe daher nur mehr an die engste Familie und meine engsten Freunde. An die, von denen ich weiß, das sie jederzeit für mich da sind. Alle anderen müssen dafür “bezahlen”, wenn sie etwas von mir wollen. Zu oft bin ich damit auf die Schnauze gefallen.

Wenn ich Hilfe erbitte bzw. erhalte, biete ich im Gegenzug ebenfalls immer einen Ausgleich an. Babysitten, kochen, putzen, Waren- oder Geldleistungen. Was halt gerade zur Situation passt.

Der Unterschied

Dies sollte jetzt kein Appell sein um sämtliche Hilfeleistungen und Freundschaftsdienste in Rechnung zu stellen. Bitte verwechsle jetzt diese Art der Unterstützung nicht mit Handlungen der Nächstenliebe oder aus Freundschaft und Liebe. Es gibt einen Unterschied zwischen diesen “Leistungen”.

Wenn ich im Geschäft eine alte Dame sehe, die ihre Einkäufe 2 Kilometer nach Hause tragen muss, fahre ich sie natürlich ohne Gegenleistung heim. Und wenn ich einer armen Familie damit helfen kann, weil ich Ihnen einen Lebensmitteleinkauf spendiere, mache ich das nach wie vor gerne. Dafür würde ich niemals etwas verlangen.

Wenn mich meine Mutter bittet, mit ihr Einkaufen zu gehen, werde ich dies sehr gerne erledigen.

Ich denke du weißt, worauf ich hinauswill. Es geht um die ständigen Anfragen um deine Zeit, die jetzt nichts mit Familiengeschehen und Co zu tun haben.

Ich möchte dich einfach darauf hinweisen, dass auch du einen Wert hast und es Zeit wird, dass er anerkannt wird. Auf welche Weise dies geschieht, entscheidest du.

xo

Angelika

 

 

 

 

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