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Yoga und Christen, ein Widerspruch?

Yoga und Christentum ein Widerspruch Kreuz

So liebe Leute. Heute muss ich mal meinem Ärger etwas Luft machen.

Bei einer Recherche im Internet bin ich auf das Thema gestoßen, dass es die Kirchen (Katholische, Evangelische, Orthodoxe, usw.) nicht gerne sehen, wenn ihre Schäflein  Yoga praktizieren oder sich in sonst einer Art und Weise mit dieser oder ähnlicher Lehren aus dem Osten (oder sonstwoher) beschäftigen.

Zuerst einmal: ich verstehe es, dass die Kirche nicht will, dass ihre Mitglieder scharenweise Buddhisten oder Hinduisten werden. Ist schon klar, jeder schaut auf sich. Aber das eine hat doch nicht automatisch mit dem anderen etwas zu tun, oder?

Ich liebe die gewisse Praktiken aus der Esoterik, Yoga, Meditation, Ayurveda, Öle, Naturheilkunde, Kräuter, usw. Bin ich jetzt automatisch eine Hexe? Oder ein Hindu? Oder ein Buddhist? Oder ein Heide? Oder ein Indianer? Nein.

Auf der Suche

Bei meiner Recherche habe ich mich mit vielen Themen beschäftigt und wundere mich sehr, über die teilweise extrem engstirnigen Ansichten der (den alle sind da gleich zugeknöpft) Kirchen. Es wundert mich bei so einer Einstellung nicht, das immer mehr Mitglieder aus den Kirchen austreten und es mit dem Nachwuchs knapp wird.

Man findet dazu Äußerungen der Kirchen oder von Christen selbst, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Ich habe sehr viel dazu gelesen, ich schreibe aber jetzt nur zwei Beispiele auf (der Rest würde den Platz in einem einzelnen Blogbeitrag sprengen, aber ich bin sicher ihr findet selbst da zu mehr, speziell im Internet):

Wie zum Beispiel Herr Shreve sagt: 

„Bei den Übungen wird nicht der Heilige Geist erlebt. Selbst Gurus erwähnen, dass jemand der Yoga ausführt, sehr destruktiven Mächten begegnen kann. “

oder

„Ihm sei zunächst nicht bewusst gewesen, dass er unter den Einfluss einer geistlichen Macht kommen würde, als er mit Yoga begann.“

(den gesamten Artikel findet ihr hier: jesus.ch)

Auch die Ansichten der Kirche sind nicht viel besser:

„Allgemein wird davon ausgegangen, dass es sich bei Yoga um eine harmlose Methode zur physischen Entspannung handelt. Tatsächlich ist Yoga jedoch durch eine Reihe von spirituellen Elementen durchdrungen, die mit dem christlichen Glauben unvereinbar sind. Wer naiv meint, einen „alternativen“ Gymnastikkurs zu besuchen, erhält statt dessen ein religiöses, unterschiedlich gemixtes tao-hindu-buddhistisches Paket serviert.“

Den gesamten, sehr interessanten, Artikel findet ihr hier: vedanta-yoga.de)

Echt jetzt? Ist das euer Ernst?

Klar kommt der Yoga aus Asien, aus fernöstlichen Lehren. Aber wo bleibt die gepredigte Toleranz?

Nur weil ich Yoga praktiziere, bete ich keine Hindugötter an. Wenn ich Mantren singe, kann ich sehr wohl die Mantren an meinen christlichen Glauben anpassen. Viele Mantren sind sowieso universal und können von jeder Glaubensrichtung verwendet werden. Schließlich bete ich damit das Göttliche an. Ob die Hindus damit das Universum meinen oder die Christen Jesus ist doch egal oder? Alle Götter sind ein Gott.

Ist das Gebet des Rosenkranzes nicht auch genau dass selbe? Eine Arbeit mit einem Mantra, dass man in großer Zahl wiederholt? Mit einer Gebetskette, ähnlich einer Mala?

Oder das wiederholen von kurzen Sätzen, Phrasen oder Psalmen? Für mich sind das Affirmationen.

Und was ist denn die bewährte Praxis der Exerzitien oder der versunkenen Stille im Gebet, denn anderes, als Meditation?

Warum ist es so schwer, interessante Lehren und Thesen aus anderen Religionen einfach  und unbefangen zu übernehmen?

Die Lehren der Yamas und Niyamas zum Beispiel, die da wären:

  • Gewaltlosigkeit
  • Wahrhaftigkeit
  • nicht stehlen
  • im Bewusstsein Gottes handeln
  • Besitzlosigkeit

Ding Ding Ding! Bei wem läuten da jetzt die Glocken? Sagen nicht die zehn Gebote, die sieben Todsünden, die Kardinaltugenden das selbe? Nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, Gott anerkennen und ehren, keine Gier bzw. nicht begehren bzw. Verhaftungslosigkeit?

Ja, die Tugenden aus dem Yoga kommen aus einem anderen Ansatz heraus (ich selbst bin das Göttliche, ich bin Brahman = Aham Brahmasmi). Aber warum können wir diesen Ansatz nicht auch als Christen nutzen?

Schließlich wurden wir nach dem christlichen Glauben von Gott, nach seinem Ebenbild, erschaffen und werden nach unserem Tod in die göttliche Einigkeit zurückkehren. Sind wir dann nicht auch ein Teil Gottes?

Auch findet man in den fernöstlichen Thesen immer Lehren wie Barmherzigkeit, Großzügigkeit, Aufrichtigkeit. Auch wenn der Hintergrund ein anderer ist, warum können wir uns nicht auf das verbindende konzentrieren?

Bin ich jetzt automatisch eine buddhistische Nonne, nur weil ich die Bücher von Pema Chödrön sehr inspirierend finde und ihre Hilfestellung in meinen Alltag integrieren möchte?

Werkzeuge für den Geist und den Körper

Yoga hilft uns, unser Selbst zu erweitern, uns kennen zu lernen, an uns zu Arbeiten,  unsere Tugenden zu fördern und an unseren Schwächen zu arbeiten. Dieselben Tugenden die auch Jesus fordert. Warum sollten wir dieses großartige Werkzeug dazu nicht nutzen dürfen?

Wenn Jesus sagt: Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst. Warum ist es dann falsch, mittels Yoga an meiner Selbstliebe zu arbeiten bzw. an meiner Barmherzigkeit? Oder daran, nicht zu urteilen, zu lästern oder zu jammern?

Öle und Kräuter

Für viele Yogis sind auch ätherische Öle und Kräuter oder Räucherungen eine große Hilfe und Bereicherung des Alltags (für mich auf jeden Fall). Diese Arbeiten mit den Heilkräften der Natur werden aber ebenso oft als Hexerei oder Esoterik-Firlefanz abgetan.

Wieder stelle ich mir die Frage: warum denn bitte?

Hat nicht Gott selbst jedes Kraut und jede Pflanze erschaffen? Ergo hat auch er die Wirkungen der Pflanzen und Kräuter erschaffen. Wenn die Kirche nun sagt, das sei Hexenzeug, ist das wohl eine saftige Beleidigung ihres eigenen Gottes, oder?

Schließlich hat er die Pflanzen so erschaffen wie sie sind und ich denke, er wird sich schon seinen Teil dabei gedacht haben. Oder wollen sie ihm damit unterstellen, dass er uns bewusst in Versuchung führt (dazu gibt es jetzt die hitzige Debatte um die Worte „und führe uns nicht in Versuchung“ im Vater unser. Warum ist dann die Annahme Ok dass uns Gott mit Kräutern in Versuchung führt, aber in einem Gebet ist nicht einmal der Ausspruch dieses Satzes ok und das Gebet soll geändert werden?)? Oder  wird ihm unterstellt, dass er einfach dumm ist und nicht weiß was er tut?

Würde er nicht wollen, dass die Menschen von den Wirkungen der gesamten Natur profitieren, hätte er sie auch nicht erfunden. Oder er hätte sie wirkungslos gemacht.

Unser Energiefeld

Auch das arbeiten an unserem Energiefeld, den Chakren, usw. ist böse. Aber wieder komme ich mit dem selben Argument: Gott wird sich schon was dabei gedacht haben, als er uns so erschaffen hat. Dies sind nur Werkzeuge zur Selbsthilfe. Warum sind sie böse, nur weil eine andere „Religion“ diese Werkzeuge entdeckt hat und erkannt hat, wie man daran arbeiten kann?

Ich finde diese Lehren wahr und richtig. Ja, ich glaube daran, dass es die Aura, die Chakren und mein Energiefeld gibt. Aber ich bin in der Lage diese von der Religion abzukoppeln und dafür zu benutzen wofür sie bestimmt sind: um mich selbst ins Gleichgewicht zu bringen.

Die westliche Medizin hat ihren Ursprung im alten Griechenland. Bete ich jetzt deswegen zu Zeus und Hera, nur weil ich dieses Werkzeug für meinen Körper verwende?

Fazit:

Der bloße Nutzen und die Anwendung von Praktiken, Medizin, Lehren, Ölen, Kräutern, Naturheilmitteln, Übungen, usw. verändert in keiner Weise die Religionszugehörtigkeit einer Person, wenn diese nicht dazu bereit ist und den Pfad freiwillig beschreitet. Man kann keinen Menschen unterbewusst eine neuen Religion unterjubeln. Dazu gehört schon eine Portion freier Wille. Und hat uns nicht Gott den freien Willen persönlich geschenkt?

Weiters kann man, so man will, jede erdenkliche Lehre aus aller Welt, so adaptieren, dass sie sich dem eigenen Weltbild angepasst. Man wird nicht zwangsbekehrt, nur weil man Yoga übt, Qi Gong oder Reiki, oder weil man sich nach Ayurveda-Art ernährt und seinen Körper pflegt.

Auch führen einen Buddhastatuen oder blaue Elefanten-Götter nicht automatisch in den Untergang, nur weil sie in einem Yoga-Studio aufgebaut sind. Sehen bedeutet nicht tun. Nur weil ich eine Frau mit großen Brüsten in einem XS-Top sehe, grabsche ich sie deswegen noch lange nicht an.

Wenn dem so wäre, was würde dann mit mir passieren, nachdem ich eine Stunde durch die Dekoabteilung eines Leiner oder Kika gelaufen bin? Dort stehen dickbäuchige Buddhas neben Ganeshas und chinesischen Glückskatzen. Man finde das AUM neben dem Yin-Yangsymbol und dazwischen verstreut ein paar hübsche Kreuze. Ist die Kirche jetzt auch gegen Einrichtungshäuser?

So, jetzt ist mir etwas leichter. Ich bin gespannt auf ein Kommentar von dir, wie du zu diesem Thema stehst.

xo

Angelika

 

 

 

 

 

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