Zu dick für den Erfolg?

By Angelika Stranger | Selfcare/Wellness

Aug 14
zu dick für die liebe?

Bämm. Mein Mund klappt auf. Vor einigen Wochen las ich einen Artikel in meiner Tageszeitung, der mich wiedereinmal komplett baff – und äußerst verärgert – zurückließ.

Und zwar las ich dort, dass die wunderbare Stefanie Reinsperger zweifelte, ob sie die Rolle der Buhlschaft im „Jedermann“ 2018 weiterhin übernehmen sollte, da sie harsche Gemeinheiten einstecken musste, bezüglich ihrer Figur.

„Zu dick für die Buhlschaft“

wurde sie genannt. Dieser und noch andere gemeine Sätze haben sie sehr getroffen, was ich nur zu gut verstehen kann: schließlich wurde sie damit nur auf ihre Figur reduziert und nicht auf ihr Können.

Es zeigt wiedereinmal, dass jede Frau – egal ob selbstbewusste Schauspielerin, toughe Businesswoman oder pflichtbewusste Hausfrau – nicht davor gefeit ist, an sich selbst zu zweifeln, egal wie erfolgreich, talentiert oder klug sie ist.

Egal was sie in ihrem Leben erreicht hat oder nicht, scheinbar zählt es nicht, wenn man nicht dem Beutyideal der heutigen Zeit entspricht.

Zweifel, die uns Frauen, von Kindesbeinen an, von der Gesellschaft eingepflanzt wurden. Denn schon 8jährige haben oftmals ihre erste Diät hinter sich, 14jährige verbringen Stunden um das perfekte Selfie zu schießen und geraten immer öfter in Krankheiten wie Magersucht oder Bulimie.

Wie haben wir auszusehen?

Zum zweiten zeigt dieser Satz perfekt, welches Bild im modernen Zeitalter von uns Frauen als „Allgemein“ gilt. Frauen haben schlank zu sein! Dicke sind nicht sexy! Sie haben scheinbar auch keine Liebe – keine Buhlschaft (= Liebesverhältnis) verdient. Denn wie könnte es sonst sein, dass eine dicke Frau die Buhlin von jemanden ist?

Wie kann eine dicke Frau es nur wagen, Liebe, Erfolg und – Oh Schreck – öffentliches Ansehen zu verlangen?

Die Buhlin – eine moderne Frau

Die Buhlin ist die Liebste vom Jedermann. Sie sind nicht verheiratet,  führen also eine lose Beziehung, welche zu der Zeit, als der Jedermann geschrieben wurde (christlich konservativ), sehr skandalös war. Die Buhlin ist stark genug, dies zu ignorieren, sonst würde sie diese Beziehung nicht führen.

Die Buhlschaft ist sinnlich und weiblich, sie lebt eine leidenschaftliche Liebe zum Jedermann. Sie ist emanzipiert, sonst würde sie heiraten, eigenständig und selbstbewusst. Eigentlich braucht sie keinen Mann. Sie ist stark.  Eine Powerfrau!

Meine Frage ist jetzt: welche der oben genannten Attribute schreibt vor, wie die Buhlschaft auszusehen hat?

Richtig! Kein einziges!

Warum also werden Äußerlichkeiten in diesen Text hineininterpretiert und als obligat erachtet?

Wiedereinmal greift sofort die derzeitige Konditionierung „dünn = hübsch“. Wie geht es dann weiter? Bedeutet Dünn = Hübsch auch gleichzeitig Dünn = Liebe? Oder Dünn = Erfolg?

Frechheit siegt nicht immer

Drittens ist es einfach nur eine bodenlose Frechheit, solche Kommentare überhaupt öffentlich zu tätigen, geschweige denn, sie der betreffenden Person vorzutragen. Was erlauben sich eigentlich diese Personen, solch ein Urteil zu fällen?

Welch große Frechheit nehmen sie sich heraus, generell über jemandes Äußeres zu urteilen? Scheinbar haben diese Personen mit Kunst nicht viel am Hut, wenn sie auf Äußerlichkeiten mehr Wert legen, als auf Talent.

Hiermit spreche ich allen diesen Möchtegerns ihren Kunstverstand oder einfacher: ihren Hausverstand ab, wenn sie meinen, solche billigen Allgemeinheiten herausposaunen zu müssen.

Und ein bisschen neugierig bin ich auch: wie sehen diese Kritiker überhaupt aus? Haben sie alle „eine perfekte Figur“? Wunderschöne Haut? Glatte Zähne? Eine perfekte Frisur und vollendeten Modegeschmack? Wären Sie in der Lage diese Rolle im Jedermann zu übernehmen?

Liebe ist nicht nur für die „Schönen“ da

Ich erinnere mich an ein Erlebnis vor vielen Jahren: eine Freundin von mir erzählte mir, ein Mann habe sich in sie verliebt. Eigentlich mag sie ihn auch ganz gerne, aber er ist halt nicht hübsch genug und kein Draufgänger (wie sie es sonst gerne bevorzugte: Sportler, Motorcrossfahrer, Abenteuer).

Ich erinnere mich sogar noch daran, was ihr ihr damals geraten habe: „Liebe ist nicht nur für die schönen Menschen da“. Diese Aktion hat mich damals sehr belustigt, der Mann tat mir ein wenig leid. Wenn ich heute darüber nachdenke, stellen sich mir die Nackenhaare auf. Diese Aussage war einfach nur gemein. Es steht  für alles, was in unserer Gesellschaft an Körperbildern so falsch läuft.

Heimlicher Sex

Sogar bei der Serie „Sex and the City“ wurde dieses Thema behandelt. Ich glaube die Folge hieß „heimlicher Sex“ und darin ging es um Partner, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprachen oder für die man sich aus anderen Gründen schämte und Beziehungen zu selbigen wurden geheimgehalten.

Damals lachte ich darüber, wer macht den sowas? Typisch amerikanisches Fernsehen. Aber lang hat es nicht gedauert (siehe weiter oben) und nun ist es bei uns auch soweit, dass das Äußere über die Liebe entscheidet.

Warum sollte die Liebe und die Leidenschaft nur für die „schönen Leute“ reserviert sein?

Warum ist man nur schön, wenn man dünn ist? Und warum nehmen sich fremde Menschen das recht heraus, über die Körper anderer zu urteilen? Sich über andere zu erheben und zu sagen: „Du bist nicht gut genug“?

Und warum lassen wir dies zu? Warum lassen wir alle es zu, dass sich die einen über die anderen erheben? Berufsbedingt kenne ich sehr, sehr viele Menschen. Ich kenne dünne Arschlöcher, hübsche Idioten, dicke und erfolgreiche Manager und begnadete dicke und dünne Künstler.

Wenn jemand der Meinung ist, dass jemand „sein Fett abkriegen sollte“ wird garantiert bei den Dicken angefangen. Und alle hören und schauen zu und keiner unternimmt was dagegen. Ist man dünn, hat man schon einen „Kritikpunkt“ weniger, einen „Versagenspunkt“ weniger.

Ein junge, hübsche Frau, die ihre Kinder vernachlässigt weil sie Drogen nimmt? Hauptsache sie ist dünn und hübsch, wer weiß durch welche tragischen Umstände sie da hineingerutscht ist, so einer Frau muss man doch helfen.

Eine junge, dicke Frau, die ihre Kinder vernachlässigt, weil sie Drogen nimmt? Schau sie dir an, aus so einer kann ja nichts gutes werden. Die soll selber schauen, wie sie da herauskommt.

Anerkennung ist für alle da

Alle Frauen mit Kurven, egal wie klein oder groß (oder sämtlichen anderen Merkmalen, die einen Körper ausmachen können), sind es genauso wert, ihre Erfolge feiern zu dürfen. Wie tragisch ist es, wenn es in der heutigen Zeit nötig ist, solche Artikel wie diesen überhaupt zu schreiben? Wie konnte uns das passieren?

Ich bin froh, dass sich Frau Reinsperger dazu entschieden hat, doch beim Jedermann zu bleiben, denn sie macht ihre Sache verdammt gut. Im Vergleich zu den letzten Jahren übertrumpft sie viele Schauspielerinnen vor ihr, welche dem gängigen Ideal entsprachen, um einiges.

Eine „gute“ Figur ist also kein Garant für Talent.

Talent ist ein Garant für Talent. Harte Arbeit, Einsatzbereitschaft und der Wille, sich für seinen Erfolg einzusetzen ist ein Garant für Erfolg.

Und nicht die Waage. Die hat damit überhaupt nichts zu tun.

Also holt euch was euch zusteht! Liebe, gute Rollen, Jobs und Erfolg! Verdammt nochmal!

xo

Angelika

#bodypositive #bodyimagemovement

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